Tipps

Mandy Abou Shoak, Politikerin

Gemeinsam mit Freund*innen starte ich um 18 Uhr am Grossmünster. Wir steigen die engen Stufen hinauf, passieren Harald Naegelis verborgenen Totentanz und stehen plötzlich zwischen den mächtigen Glocken – ein Moment, in dem Geschichte und Gegenwart verschmelzen. Danach zieht es uns in die Zentralbibliothek. Die Kurzführung «In Frauenhand - Künstlerinnen aus 5 Jahrhunderten» ist für uns ein Muss: Künstlerinnen, die über Jahrhunderte hinweg Grenzen sprengten und deren Spuren viel zu lange unsichtbar blieben. Zum Ausklang des Abends würde ich im Kunsthaus landen. Drinks, DJs, Performances – ein Ort, um mit Freund*innen zu tanzen, Gespräche weiterzuspinnen und die kulturelle Vielfalt dieser Stadt zu feiern.


Martin Zimmermann, Choreograf und Performer

Mein Abend startet mit Kunst im Mini-Format: Bei einer Führung durch die Altstadt schaue ich mir ausgespuckte Kaugummis an, die der Künstler Ben Wilson bemalt hat. Vom Kleinen gehe ich dann zum ganz Grossen über. Das Kurzfilm-Kino im focusTerra fragt nach, wie es der Erde geht und wie wir sie zu einem besseren Ort machen können. Um den Weltschmerz zu vergessen, ziehe ich weiter zu «Susanne Bartsch – Transformation!». In der Ausstellung geht es um Clubkultur, Diven und Verwandlung: Alles Themen, die mich faszinieren und mich bei der Arbeit an eigenen Stücken inspirieren. Weil ich nicht mehr in dem Alter bin, in dem ich Partys à la Bartsch besuche, schafft die grösste Jukebox von Zürich die perfekte Abhilfe. Im Neonlicht-durchfluteten Fraumünster – was für eine Kulisse! – platziere ich meine Musikwünsche beim Organisten. Und wenn mir danach noch nicht ganz, aber fast nach Zuhause ist, lege ich einen letzten Stopp beim Psychologischen Club Dada im Cabaret Voltaire ein. Denn Dada ist für mich ein Stück künstlerische Heimat, und die Psycholog*innen-Couch auch.


Christina Benz, Künstlerin

Erstmals ist an der LANGEN NACHT die ZKB Kunstsammlung zu sehen – mein Startpunkt also gesetzt. Weiter geht’s mit Poesie von Friederike Mayröcker im Strauhof. Im Haus zum Rechberg bespielen mehrere Künstlerinnen jeweils einen eigenen Raum mit Live-Performances und verwandeln diesen für eine Nacht in «Her House«. Ebenfalls live entsteht in der Wasserkirche eine grossformatige Zeichnungsinstallation. Wer selbst Hand anlegen will: die Graphische Sammlung der ETH Zürich bietet unter anderem einen tollen Druck-Workshop, während sich im Migros Museum eine kollektive Papier-Skulptur formt. Reicht die Zeit noch für die Open-Air-Beats im Museum Rietberg? Üblicherweise klingt meine LANGE NACHT im Kunsthaus aus, doch in diesem Jahr gibt es ein Novum: Wer es vor 2 Uhr morgens in die Shedhalle schafft, kann bis Sonnenaufgang die längste Nacht feiern!


Lukas Meier, Bööggbauer

Als Bööggbauer baue ich Geschichten, die in Flammen aufgehen. An der LANGEN NACHT suche ich nach solchen, die bleiben. Für meine Entdeckungsreise bin ich auf dem Velo unterwegs. Meine Reise beginnt im Museum Zunftstadt Zürich, wo mich die Geschichten von Ursula Sutter, Salomon Hirzel und Jakob Gujer inspirieren. Ihr Innovationsgeist spiegelt das Herz der Zünfte wider. Weiter geht’s zur Wasserkirche, wo Aroma eine begehbare Holz-Arche installiert hat. Ich bin begeistert, wie die Zeichnung von Anna Rudolf einen Ort des Wandels schafft. Mein letzter Halt ist das Pavillon Le Corbusier für das Konzert des Duos OY. Mich zieht ihre grenzenlose Kreativität an, die über alle musikalischen und kulturellen Grenzen hinweg tanzt. Am Ende der Nacht gehe ich mit der Gewissheit nach Hause, dass die spannendsten Geschichten im Zusammenspiel von Vergangenheit, Handwerk und Mut zur Kreativität entstehen.